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Ikarus Eco Piccolo

Herbst 1998

Als vor einiger Zeit der Eco Piccolo von Ikarus auf dem Markt erschien, war ich zuerst total begeistert. Ein kleiner, simpler Elektrohubschrauber mit dem man auch mal in der Wohnung fliegen kann. Soviel sagte jedenfalls die Werbung aus. Allerdings dauerte es dann noch eine ganze Weile, bis Ikarus in der Lage war, entsprechende Stückzahlen der Baukästen auszuliefern. Während dieser Zeit suchte ich im Internet nach allen möglichen Informationsquellen über dieses Produkt. 
Deren frühe Erfahrungen und Berichte in den Fachzeitschriften waren teilweise recht widersprüchlich. Es ging von “absolut begeistert” bis “nur zum Schweben zu gebrauchen”. 

Daraufhin habe ich beschlossen, noch etwas zu warten, bis das Produkt am Markt eingeführt ist und die ersten Probleme überwunden sind, denn wie bei Ikarus üblich, gab es bereits kurz nach der ersten Auslieferung eine überarbeitete Version.  


Außerdem wurde im Neuheitenprospekt angekündigt, dass es wunderschöne Rumpfbausätze, u.a. eine Bell UH 1D, geben wird. Das war dann für mich der Anlass, im Sommer 1999 mir einen Piccolo zu kaufen. 

Ich verwende die von Ikarus empfohlene Ausstattung, lediglich eine alte Graupner FM 314 benutze ich als Sender.

Der Aufbau des Modells ging dank Sekundenkleber und der wirklich guten Bauanleitung schnell und problemlos. 

Am übernächsten Abend war ich dann schon sehr gespannt, wie das Teil denn fliegen würde. Gewarnt durch die Erfahrungen andere Piccolobesitzer ging ich davon aus, das speziell das Abheben SEHR schwierig sein wird. Ikarus empfiehlt in der Bauanleitung sogar, eine Seite der Kufenbügel mit 5 mm Balsaklötzchen zu unterlegen, die sogar im Bausatz enthalten sind! 

Dies hat mit überhaupt nicht gefallen, zum Einen sieht das m.E. doof aus und zum Anderen müsste es doch auch möglich sein, ohne dieses Startkrücke das Modell in die Luft zu bekommen. 

Im Nachhinein muss ich sagen, dass die von Ikarus vorgeschlagene Lösung für den absoluten Helianfänger sicher nicht schlecht ist. Sobald man aber etwas schweben kann, kann man ohne Probleme darauf verzichten. 

Die Akkus

Die Flugzeit mit dem 250 mA Standartakku ist allerdings nicht gerade toll. Maximal fünf Minuten sind möglich. Kritisch ist bei diesem Akku auch, dass die Leistung zum Ende hin sehr schnell einbricht. Der Vorteil dieses Akkus ist allerdings, dass man ihn innerhalb von ca. 10 min. laden kann und sowohl der Motor als auch der Akku nach dem Flug fast kalt sind. 
Anders sieht es bei den Nickel-Metal-Hybrid Akkus aus. Zuerst habe ich 7 Sanyo Twicell 700 ausprobiert. Damit kann man kaum fliegen. Die Leistung ist extrem schwach. Somit muss man auf jeden Fall mit 8 Zellen fliegen. Damit sieht es dann schon anders aus. Der Heli hat richtig dampf und reagiert sehr gut auf “Pitchänderungen” Die Flugzeit lag bei mir immer um 8 Minuten. Nicht verschweigen möchte ich aber einen gravierenden Nachteil dieser Konfiguration. Nach dem Flug ist Motor sehr warm! Also muss unbedingt vor dem nächsten Flug gekühlt werden. Außerdem passiert es immer wieder, dass sich das Kunststoffritzel auf der Motorwelle durch diese Erwärmung löst.  Auch der Ladung des Akkus muss man verstärkt Aufmerksamkeit schenken. Man darf den Ladestrom nicht zu hoch wählen, ansonsten besteht Gefahr, dass der Akku zerstört wird. Wird er zu niedrig eingestellt, dauert es sehr lange bis der Akku voll ist. 

Aus den oben genannten Gründen empfehle ich Vielfliegern eher den Nickel Cadmium Akku. Die relativ kurze Flugzeit wird durch die umkompliziertere Handhabung schnell aufgewogen. Will man jedoch nur ab und zu mal einen Flug machen, ist der Nickel-Metal-Hybrid Akku sicher ein gute Wahl. 

Bei den regelmäßig stattfinden Hallenfliegen unseres Vereins benutze ich ausschließlich den Nickel-Cadmium Akku. Denn bereits nach 10 Minuten Ladezeit kann ich wieder fliegen, ohne ständig den Akku wechseln zu müssen. Dies ist bei dem Piccolo nämlich ein große Fummelei. Wenn Du hierfür einen besseren Vorschlag hast, wäre ich sehr daran interessiert

Flugverhalten

Wie Eingangs schon beschreiben, wurden über das Flugverhalten sehr unterschiedliche Aussagen gemacht. Jetzt, nachdem ich das Modell fast ein Jahr regelmäßig sowohl im Wohnzimmer als auch in der Halle fliege, möchte ich es folgendermaßen beurteilen: 

Die Schwebeflugeigenschaften sind sehr gut. Das Modell lässt sich mit wenigen Steuerbefehlen gut beherrschen. Vermeiden sollte man große Steuerausschläge, das sich der Heli dann förmlich aufschwingt und nur mit größten schnellen Ausschlägen wieder gebändigt werden kann. Die Rundflugeigenschaften sind gewöhnungsbedürftig. Versucht man einen ganz langsamen Vorwärtsflug, klappt das auch recht gut. Mehr als Schrittgeschwindigkeit sollte es allerdings nicht sein. Dann passiert nämlich folgendes: 

Der Piccolo bäumt sich stark auf, die Rotordrehzahl wird stark abgebremst und folglich wird das ganze Flugverhalten sehr instabil. Dem kann man nur durch sofortiges, starkes drücken mit nahezu Vollausschlag begegnen. Vorraussetzung ist, dass die Gestänge an der Servos ganz außen eingehängt
sind. Bei einem Computersender würde ich sogar probieren wie, sich eine progressive Steuerkurve auswirkt. Mal sehn, wenn ich damit Erfahrung habe, werde ich darüber berichten.

Mit dieser Konfiguration kann man dann schon recht gut kleine Rundflüge unternehmen, man sollte jedoch bedenken, dass das Modell sehr klein ist und die Fluglage bei einiger Entfernung nur schwer zu erkennen ist. Außerdem muss man immer damit rechnen, dass das Modell die Nase hochnimmt, und einfach nicht weiter will. Ich vergleiche das immer mit einem störrigen Esel, der keine Lust mehr hat, weiter zu laufen :-)

Aber mit etwas Übung, gelingt das recht gut. Sehr schön kann man mit diesem Teilchen übrigens Pirouetten fliegen. Besonders rechts herum kann man ihn gaaannnzz langsam drehen lassen.

Tuning ;-)

Eines hat mich bei meinem Piccolo immer total genervt. Die Rotorblattbefestigungsschrauben lockerten sich ständig. Sind dieses unterschiedlich stark angezogen, macht sich dies durch Vibrationen beim Start und im Flug bemerkbar.

Deshalb habe ich, wie auf dem Bild zu erkennen, unterhalb der original Kunststoffmuttern noch
Kontermuttern angebracht. Nachdem ich die optimale Einstellung gefunden hatte, verklebte ich die Kontermutter mit einem KLEINEN Tropfen Sekundenkleber. Seit dem löst sich da nix mehr. Man könnte sicherlich auch M3 Metallschrauben mit Stopmutter verwenden.......

Absturzverhalten

Auch das lässt sich nicht vermeiden. Bei dem Piccolo ist es jedoch häufig nicht so schlimm. Meistens passiert dabei nicht viel. Der Rotorkopf springt aus den Kugellagern und die Anlenkhebel der Paddelstange verdrehen sich. Und damit man nicht vergisst, beim nächsten mal etwas vorsichtiger zu sein, darf man meistens auch noch die beiden Kugellager vom Rotorzentralstück suchen, die sich mal wieder irgendwo versteckelt haben.

Nachdem alles wieder zusammengesteckt und die Paddel frisch ausgerichtet wurden, kann es meistens gleich weitergehen. Selten passiert es, dass eine Verklebung der Kohlefaserteile bricht, doch auch das ist mit wenig Sekundenkleber schnell repariert. Ich hab eigentlich nur einen Satz Kugellager für den Rotorkopf, eine Flasche Sekundenkleber, etwas Tesafilm und ein paar kleine Schrauben als Ersatzteile zum Fliegen dabei. Unten folgen noch ein paar links zu den Bildern meines Piccolos.

01.12.2000

Über das kritische Rundflugverhalten konnte man in letzter Zeit viel lesen. Obwohl ich persönlich relativ gut damit zurecht kam, werde ich den Vorschlag aus dem Internet umsetzten, mit einem zusätzlichen Kreisel auf der Nickfunktion einzubauen. 

Es handelt sich dabei um einen Kreisel von Simprop. In verschiedenen Foren wurde immer ein extrem kleiner und leichter Kreisel erwähnt, der bei WES zu beziehen sei. Meine Recherche hat allerdings ergeben, daß es sich dabei um das gleiche Produkt wie von Simprop handelt. Der Kreisel hat die Bezeichnung "Simprop Gyro SPG-05" und kostet ca. DM 100,00. 

Ich habe den Kreisel einfach mit einem Gummiring oben auf das Piccoboard geschnallt. Für die ersten Flüge habe ich eine Empfindlichkeit von ca. 30% eingestellt um mich erst einmal an das neue Flugverhalten zu gewöhnen. Die Schwebeflugeigenschaften haben sich in meinem Fall nicht wesentlich verbessert. Hier tendiert der Piccolo bei zu hoher Kreiselempfindlichkeit zum Schwingen um die Nickachse. Erst im Rundflug zeigen sich die Veränderungen. Der Piccolo hat deutlich weniger Tendenz zum Aufbäumen. Beim langsamen Vorwärtsflug kann man auch schön beobachten, wie das Nickservo ständig in Bewegung ist. Das zusätzliche Gewicht und die ständigen Steuerkorrekturen machen sich natürlich auch in der Flugzeit bemerkbar, wobei 20 Sekunden bei deutlich gesteigertem Flugspaß gut zu verschmerzen sind. 

 

Bilder

 
 

An dieser Stelle schließe ich die Seite zum Piccolo ab, das ich das Modell in den Bell UH-1D Rumpf eingebaut habe.  Der Baubericht und meine weiteren Erfahrungen sind unter zu finden.

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