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Wiederaufbau Joker CX September 2003

Im September 2003 hatte ich mit meinem Joker einen kapitalen Absturz. Folgendes ist passiert:

Schon kurz nach dem Start an einem sehr heißen Tag konnte ich ein komisches Brummen hören. Auffällig war auch, dass ich bei diesem Flug eine sehr hohe Rotordrehzahl hatte. Das rührte vermutlich daher, dass ich die Akkus direkt vor dem Flug frisch geladen hatte.

Zuerst dachte ich, die Kabinenhaube sei nicht ganz fest, doch auf dem Rückflug zum Modellflugplatz wurde das Brummen lauter, der Heli ließ sich nur noch schlecht mit dem Heckrotor steuern und dann gab es auch schon einen mächtigen Knall. Der Heli begann sich um die Hochachse zu drehen, da 2/3 des Heckrohrs inkl. Heckrotor abgebrochen waren. zu diesem Zeitpunkt befand sich das Modell bereits direkt über dem Modellflugplatz und leider auch schon viel zu nahe bei anwesenden Modellflugkollegen. Um kein Risiko einzugehen habe ich sofort den Motor ausgeschaltet. Der Heli schlug fast direkt vor meinem Füßen ein. Im ersten Augenblick sah der Schaden eigentlich gar nicht so schlimm aus, doch beim späteren Zerlegen zeigten sich, dass doch einige Ersatzteile notwenig würden. Außerdem wollte ich keine beschädigten Teile wieder verwenden und habe großzügig alles ersetzt was mir komisch vorkam.

Da auch alle Taumelscheibenservos beschädigt waren, habe diese ebenfalls gleich durch neue Graupner Digitalservos ersetzt. Ob und wie sich dieser Tausch auf die Flugeigenschaften auswirkt werde ich bei dem abschließenden Flugbericht beleuchten.

Da ich bei dem ersten Zusammenbau nur wenige Detailbilder aufgenommen habe möchte ich dies hier nachholen und auch die Verschleißeigenschaften nach ca. einem Jahr intensiven Flugbetriebs genauer unter die Lupe nehmen.

Demontage

Noch am gleichen Tag habe  ich den Heli komplett zerlegt und jedes einzelne Teil kritisch betrachtet. Dazu sei zu sagen, dass die Demontage problemlos verlief da ich mit dem Schraubensicherungslack schon bei der Montag sparsam umgegangen bin. Alle Teile wurden sorgfältig gereinigt und ich war doch sehr überrascht, wie viel Schmutz sich an den vielen unzugänglichen Stellen ansammelt hat.

Am Sonntag Abend hatte ich dann eine stattliche Liste zusammen. Diese habe ich direkt per Email an Herrn Guzicki geschickt. Bereits am Dienstag bekam ich einen riesen Karton mit meinen Ersatzteilen! Die sofortige Bestandsaufnahme zeigte, dass kein einziges Teil fehlte. Super! Ein riesen Lob an dieser Stelle an minicopter.

Montage

Zuerst habe ich mit dem Hauptrotorkopf begonnen. Selbstverständlich war die Blattlagerwelle und die Paddelstange krumm, doch den Aluteilen ist nichts passiert.  
Aufpassen muss man unbedingt bei den Drucklagern, deren Einzelteile müssen in der richtigen Reihenfolge auf die Blattlagerwelle aufgeschoben werden. Die alten Drucklager wollte ich nicht verwenden, da leichte Druckstellen der Kugeln zu sehen waren. Ob die jetzt von dem Absturz stammen oder als Verschleiß zu bezeichnen sind kann ich nicht sagen.
Die beiden Blatthalter lassen sich auch ohne Wärmeeinwirkung problemlos an die richtige Stelle Rücken.
Zusammen mir Blatthalterarmen werden die Blatthalter mit jeweils vier M3 Schrauben befestigt. Ich habe übrigens keine zusätzlichen Passscheiben benötigt.
Die Mischhebelarme überstanden den Absturz auch ohne Folgen, ebenso deren Kugellager und die beiden Schrauben. Die Servogetriebe waren schwächer und haben zuerst nachgegeben.
 
Die beiden Kunststoffbuchsen, die die Führung der Bell-Kupplung (0506) übernehmen habe ich nach dem Absturz zwar ausgetauscht, doch wäre dies nicht nötig gewesen. Ich konnte keinen Verschleiß feststellen, lediglich etwas Alu Abrieb hatte sich gebildet.

 

Vor der Montage der Paddelstange habe ich mit einem Stift an jedem Ende eine Markierung angebracht, damit die Paddel jeweils gleich weit eingeschraubt werde können.
  Anschließend habe ich mit dem Hautgetriebe weitergemacht.
Bei meinem Absturz haben die Delrin Hauptgetriebezahnräder jeweils ein paar Zähne verloren. Verschleiß konnte ich an den defekten Zahnrädern fast keinen feststellen. Das links abgebildete Zahnrad wird übrigens nur in Verbindung mit der montierten Nabe geliefert. Das liegt daran, dass das Zahnrad mit montierter Nabe hergestellt wird um einen optimalen Rundlauf zu erreichen. Beim Zusammenbau sollte man auch nicht vergessen, den kleinen Stift zu montieren. Er verbindet das Hauptzahnrad kraftschlüssig mit dem Heckabtrieb. Somit braucht man auch die beiden kleinen Inbusschrauben nicht extrem fest anziehen.
Als nächstes wurde der Freilauf im Hauptzahnrad montiert. Da man den Freilauf auch einfach drehen kann, ist die Rotordrehrichtung frei wählbar. Ich habe mich für eine linksdrehende Mechanik entschieden. 
 
Bei der Kontrolle der Einzelteile stellte ich auch fest, dass das obere Domlager nicht mehr in Ordnung war. Es lief nur noch rau und klemmte auch an einigen Stellen leicht. Diese Schäden stammen ganz sicher von dem Absturz, denn alle anderen Lager waren noch ok. Mit einem geeigneten Werkzeug kann man das eingepresste Lager ohne Probleme aus dem Aluteil entfernen und das Ersatzlager einpressen.

Anschließend habe ich alle Getriebeteile inkl. des Motors zusammengesetzt.
Das Delrinzahnrad der ersten Getriebestufe wird mit einem Splint gehalten. Zur Befestigung dieses Splints wird eine M3 Schraube von unten in die Welle geschraubt. Diese Schraube auf keinen Fall zu fest anziehen oder zu viel Schraubensicherungslack verwenden. So wird der Splint nur verbogen und lässt sich kaum noch demontieren.
Die oberen Mechanikseitenteile nehmen auch die Servos für die Taumelscheibe und das Heck auf. Da bei dem Absturz die Getriebe aller Taumelscheibenservos beschädigt wurden, habe ich diese komplett durch drei Graupner 8041 Digitalservos ersetzt. Sicherlich gibt es wesentlich leistungsfähigere Typen, doch mit den Vorgängermodellen bin ich bereits lange ohne Probleme geflogen.
Der obere Teil der Mechanik ist fertig.
   

Der untere Teil der Mechanik war völlig unbeschädigt, nur das Kufenladegestell war an mehreren Stellen gebrochen.
Das CfK Landegestell wird komplett in Einzelteilen geliefert. Zuerst zeichne ich eine Markierung an, an welcher Stelle die Kufenbügel sitzen sollen. Da die Kufen eine ganz feine Längsnaht besitzen, kann man diese gut zur Orientierung nutzen.
Mit einem Bohrständer und einem Hartmetallfräser kann man die notwenigen Schlitze mit minimalem Übermaß sehr sauber und schnell herausarbeiten.
Bevor die Teile zusammengesteckt werden habe ich von jedem Ende etwas Schaumstoff soweit in die Kufe gedrückt, dass der ausgefräste Schlitz frei bleibt und ca. 5 mm zusätzlicher Platz bleiben.

Anschließend werden alle Teile zusammen gesteckt, genau ausgerichtet und mit etwas Sekundenkleber fixiert. 

Jetzt müssen von außen alle Ritzen sorgfältig abgeklebt werden. Zum Schuss habe ich eine bestimmte Menge Harz von hinten mit einer Spritze eingefüllt. Selbstverständlich nicht zu viel und von vorne und hinten getrennt, erst nachdem das Harz ausgehärtet war. Dieses Verfahren wendete ich auch schon bei meinem ersten Kufenlandegestell an und das hat super gehalten.

Zur genauen Montag an der unteren Mechanikhälfte habe ich das Landegestell zuerst mit Wäscheklammern fixiert, genau ausgerichtet und dann die notwendigen Bohrungen mit einem Bleistiftstummel angezeichnet.
Bei der Demontage des Heckrotorgehäuses ist mit aufgefallen, dass eines der Kugellager nur locker in einem der Alu Seitenteile saß. Leichte Schleifspuren auf der Außenseite des Lagers lassen vermuten, dass dies schon länger so ist. Da das Lager ansonsten nicht defekt zu sein schien, habe ich es mit einem kleine Tropfen Loctite 648 Lagerfest eingeklebt. Bitte nur ganz wenige verwenden, das Zeug hält wirklich extrem gut.

Anschließend konnte mit der Montage des Heckrotors fortgefahren werden. Der Split in dem Heckriemenrad ließ sich übrigens mit einem entsprechenden Dorn problemlos entfernen. Ich habe jedoch einen neuen verwendet da ich nicht wusste, ob man so ein Teil mehrfach verwenden kann. Da auch der Heckriemen gerissen war, musste er auch ersetzt werden. An dem alten Riemen konnte ich keinen erkennbaren Verschleiß feststellen. Scheinbar habe ich die richtige Riemenspannung gut getroffen.

Auch die Hecksteuerbrücke und der Kunststoffbecher am Heckrotorumlenkhebel wurden beschädigt. Der Becher war gleich ersetzt, die Hecksteuerbrücke ersetzte ich durch die vormontierte Hecksteuerbrücke aus Kunststoff da mir das Gefummel mit dem feinen Messinggewinde noch nie besonders gut gelungen ist.

Logischerweise war auch die Heckrotornabe defekt. Der Aufbau stellt kein Problem dar, lediglich bei den Drucklagern sollte man auf die genau Einbaureihenfolge laut Bauanleitung achten. Meine Drucklager wiesen übrigens deutlich erkennbare Druckstellen der Kugeln auf und wurden somit komplett ersetzt.
Die fertige Heckrotornabe inkl. den Blatthaltern.

Bei meinem Joker CX kam noch ein gewickeltes 20 mm CfK Heckrohr zum Einsatz. Als ich den Baukasten gekauft hatte musste das Heckrohr nachgeliefert werden, da minicopter einen neuen Lieferanten hatte und die Qualität bei den ersten Teilen nicht optimal gewesen ist. Ob dies auch eine Ursache für meinen Absturz war lässt sich jetzt nur schwer nachprüfen.

Tatsache ist jedoch, dass es seit einiger Zeit einen Umbausatz auf ein 25 mm Heckrohr gibt das bei direktem Vergleich wesentlich stabiler erscheint. Da an der Mechanik nichts geändert wird gibt es ein Alu Distanzstück das in das Heckrohr eingeklebt werden muss. Um das Heckrohr nicht mit Kleberresten zu verschandeln habe einfach eine Lage Tesafilm außen herum gewickelt. Nachdem das Harz angetrocknet ist kann man den Streifen einfach abziehen und hat ein blitzsauberes Heckrohr.
Auch für das andere Ende des Heckrohr liegt ein neuer Anschlussflansch bei. Diesen habe ich ebenfalls mit Epoxy zuerst geklebt und dann noch mit den beiden Schaben gesichert. Durch das dickere Heckrohr wurden bei mit zwei Distanzstücke für die Befestigung der Seitenflosse notwendig die in meinem Umbausatz nicht enthalten waren.
Die folgenden Bilder dokumentieren den weiteren Aufbau der Heckrotoreinheit.
Zur Anlenkung des Heckrotors kommt ein CFK Stab zum Einsatz. Bevor ich die beiden Gewindestifte einklebe, schraube ich immer einen Mutter auf. So wird sichergestellt. dass die Gewindestangen weit genug im CfK Rohr sitzen.
Die weiteren Schritte bestanden in dem Zusammenbau der einzelnen Baugruppen und im Anschließen der RC-Anlage.

 

Flugerprobung

Knapp eine Woche nach dem Absturz war wieder alles repariert und es konnte ans Einfliegen gehen. Das Modell flog sofort wieder ohne jegliche Probleme, lediglich das Geräusch kam mir etwas leiser vor. Besonders auch der Heckrotor ist wesentlich leiser. Hier hat sich offensichtlich das Befestigen des losen Kugellagers positiv bemerkbar gemacht.

Das dickere Heckrohr lässt den Heli insgesamt etwas größer erscheinen ohne wuchtig zu wirken. Welchen Einfluss es auf die Flugeigenschaften hat konnte ich noch nicht ausprobieren. Der Einbau der neuen Digitalservos und eines neuen Empfängerakkus hat sich auch gelohnt, das Modell steuert sich irgendwie direkter.

Hier noch ein paar Ansichten von dem fertigen Modell.

   

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